Entstehung und Geschichte des VdSKB
Im März 2020, mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns, mussten Ballettschulen in ganz Deutschland von einem Tag auf den anderen schließen. Für Ballettlehrerinnen und -lehrer war das ein Schock: Unterricht lebt vom persönlichen Kontakt, von Schülerinnen und Schülern, die um einen herum stehen und sich bewegen. Diesen Kontakt gab es plötzlich nicht mehr. So erging es auch Sylvia Elbs. Sie drehte zunächst Unterrichtsvideos für YouTube, später unterrichtete sie online – eine kräftezehrende Lösung, die den persönlichen Austausch nur notdürftig ersetzen konnte.
Als im November 2020 der zweite Lockdown folgte, wurde Sylvia Elbs klar, dass die Ballettschulen im Land eine Gemeinschaft brauchten. Sie setzte sich vor eine Landkarte von Baden-Württemberg, suchte Gemeinde für Gemeinde nach Ballettschulen und nahm Kontakt zu so gut wie jeder Schule im Land auf – schriftlich oder telefonisch. Daraus entstand eine WhatsApp-Gruppe mit über 150 Mitgliedern, in der sich Kolleginnen und Kollegen erstmals direkt austauschen und gegenseitig unterstützen konnten.
In dieser Zeit zeigte sich ein grundsätzliches Problem: Ballettschulen wurden gegenüber Kunstschulen benachteiligt, an denen zum Beispiel zwei Wochen länger unterrichtet werden durfte. Es wurde deutlich, dass Ballettschulen als eigenständige Kunst- und Bildungseinrichtungen anerkannt werden mussten. Es folgte ein intensiver Briefwechsel mit der damaligen Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, unterstützt durch den Deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik (DBfT). Mit Erfolg: Das Kultusministerium stellte klar, dass Ballettschulen als Kunstschulen mit der Kunstdisziplin Ballett gelten und Bildungsangebote an ihnen erlaubt sind.
Der nächste Meilenstein folgte wenig später. Bei einer Online-Veranstaltung zum politischen Aschermittwoch in Eriskirch am Bodensee erhielt Sylvia Elbs durch ihre Kollegin Alexandra Birk die Gelegenheit, sich zuzuschalten und Dr. Eisenmann direkt darauf anzusprechen, dass Ballett auf der Homepage des Kultusministeriums schlicht nicht vorkam. Die Ministerin sagte eine Änderung zu – und hielt Wort. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Carma Leyds formulierte Sylvia Elbs daraufhin einen Text, der seither auf der Ministeriums-Website unter der Rubrik „Tanzen in Schule und Jugendbildung“ zu finden ist.
Ende 2023 trat der DBfT erneut an Sylvia Elbs heran und bat sie, den Berufsverband gegenüber dem Landesministerium zu vertreten – eine Aufgabe, die einem Bundesverband selbst nicht offenstand. Am 25. Juli 2024 trafen sich Sylvia Elbs, Carma Leyds und Ute Kopp mit Vertretern des Kultusministeriums. Das Gespräch machte zweierlei deutlich: Zum einen wusste im Ministerium kaum jemand, wie Ballettschulen tatsächlich arbeiten und was sie brauchen. Zum anderen war klar, dass die Interessen der Schulen für künstlerischen Bühnentanz gebündelt werden mussten – am besten durch einen eigenen Verband, der dem Ministerium als klarer Ansprechpartner dienen konnte.
Der bestehenden Ballettverein Ulm, gemeinnütziger Verein zur Förderung der Ballettkunst e.V., was aus Folgen der Corona Zeit kaum noch tätig war, wurde in den Verein der Schulen für Künstlerischen Bühnentanz Baden-Württemberg e.V. (VdSKB) umformiert.
Am 15. November 2025 fand die erste Hauptversammlung des neuen Vereins statt mit Abstimmung der überarbeiteten Satzung – der vorläufige Höhepunkt eines Weges, der in den dunkelsten Wochen des Corona-Lockdowns begann und aus einer improvisierten WhatsApp-Gruppe eine offizielle Interessenvertretung für den künstlerischen Bühnentanz in Baden-Württemberg werden ließ.
